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Der Roland von Brobergen

Geschichte des Dammgerichts (Patrimonialgericht) Brobergen 900 – 1236

Die Herren von Brobergen, ehemals Vögte der Grafen von Stade, werden 1236 Vögte der Bremer Erzbischöfe. Die Entstehung des Dammgerichts Brobergen geht auf die Zeit der Grafenherrschaft und die Zeit der Erzbischöfe von Bremen zurück. Zu dieser Zeit wurde der Adel von den Herrschenden mit sog. Lehen (Grundherrschaft) ausgestattet. Besagte Lehen dienten der Stabilisierung der Herrschaftsverhältnisse und der Verteidigung des Landes. Dies führte in den Gebieten der Grundherrschaft zu abhängigen Bauern. Bei der Richterwahl entschied jetzt nicht mehr die Anzahl der Stimmen, sondern das Gewicht der Stimmen, und je mehr Grundbesitz nachgewiesen werden konnte, umso mehr Gewicht hatte die Stimme. Die Leitung eines Gerichts fiel damit in die Hände von Adligen.


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Im frühen Mittelalter, wurden die Richter und Schultheißen von einer Gerichtsversammlung gewählt und so waren es meist einfache Leute aus der Mitte der Bevölkerung, die über Ihre Nachbarn richteten, die meist nicht einmal schreiben oder lesen konnten. Mit der Übernahme der Gerichte durch den Adel war also ein großer gesellschaftlicher Wandel verbunden.

Der Damm zu Brobergen wurde bereits 1398 als gerichtliche Freiung erwähnt. Dieser Damm gehörte zur Burg. Hier waren die Bauern angesiedelt und er stellte eine besondere Gerichtsgemeinde dar, ein räumlich geschlossenes adeliges Patrimonialgericht. Die Herren von Brobergen waren mit der hohen Gerichtsbarkeit betraut und dieses Recht war erblich. Es konnte theoretisch an Private weiterveräußert werden (wie z.B. eine Fischereigerechtigkeit).


Die hohe Gerichtsbarkeit

Die hohe Gerichtsbarkeit betraf alle schweren Verbrechen wie Mord, Raub, Totschlag, Brandstiftung oder Diebstahl im Wiederholungsfall. Das Obergericht wurde auch als „Blutgericht“ oder „Peinliches Halsgericht“ bezeichnet, weil es die Todesstrafe verhängen durfte.


Der Roland von Brobergen

Der Roland von Brobergen stand noch bis 1500 am Damm nach Brobergen und zeigte diese hohe Gerichtsbarkeit an. Hierzu ein Zitat aus einer Gerichtsakte von 1525 des Ober- und Untergerichts Brobergen:

"Ist allda ufm Damm für wenig Jaren ein geschnitztes Bilde gestanden, das man Rolandi geheißen, welches Leute noch gedenken können, und darauf zuvernehmen, daß man den orten, da solche Bilder des Rolandi stehen, sonderliche gerichtigkeit und Jurisdiktion gepflogen hatt."

Der Fähr- und Geschichtsvereins Brobergen und Umgebung hat die Wiedererrichtung eines Rolands an der Stelle, an der sich in früheren (14./15. Jahrhundert) Zeiten historisch verbürgt ein hölzernes Rolandstandbild befand, 2007 veranlasst. Für die Nachbildung des historischen Rolands hat Altbürgermeister Helmut Hudaff einen 4 m langen Eichenstamm gestiftet. Diesen gestaltete der Holzbildhauer Klaus "Nick" Blume bis Ende August 2007. Die Aufstellung des Rolands erfolgte mit einem Rolandfest und einer Rolandweihe am 16. September.



Die Dammsiedlung am Fuße des Rolands

Eine Magnetometer-Untersuchung im Juli 2008 der ehemaligen Dammsiedlung brachte erste Erkenntnisse zum Aufbau. Due Untersuchung der Siedlung zeigt, dass das Gebiet intensiv besiedelt wurde. Eventuell war nicht die gesamte Untersuchungsfläche als Wurt ausgebildet, sondern nur Einzelflächen, die von einem Entwässerungssystem mit einem Hauptgraben durchzogen wurden. In der Siedlung wurde kein Backstein verwendet, die Bauten waren überwiegend aus Holz und Lehm. Interessant ist, dass Findlinge den Verlauf des alten Hauptgrabens zu markieren scheinen. Eine gezielt angesetzte archäologische Grabung könnte hier weitere Erkenntnisse bringen.


Rolande

Roland war ein Kampfgefährte und Neffe Kaiser Karls des Großen in seinen Kriegen gegen die Mauren in Spanien. Als der junge Gefolgsmann bei einer Schlacht großen Mut bewies und unter Verlust seines eigenen Lebens seine Kampfgefährten vor dem sicheren Tod bewarte, ließ Kaiser Karl zu seinem Angedenken die sogenannten Rolandi erschaffen. Diese Ritterstatuen symbolisierten das Gerichtsrecht an bestimmten Orten des Reiches. So wies auch in Brobergen ein hölzerner Roland den Platz nahe des heutigen Fähranlegers als Gerichtsstätte aus. Insgesamt sind etwa 100 solche Statuen belegt, von denen nur einige wenige die Zeiten überdauert haben. Der berühmteste Vertreter ist wohl der Bremer Roland auf dem Marktplatz der großen Hansestadt. Aber auch in Brobergen ist eben solch ein Roland verbürgt.


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